Energie sparen: Thermografie deckt Schwachstellen des Hauses auf

  • Wenn die Heizkostenrechnung unerwartet hoch ausfällt, könnte der Energieverlust der Wohnung oder des Hauses schuld sein.
  • Mit einer Thermografiekamera, die Temperaturen misst, lässt sich genau erfassen, wo Wärme verloren geht.
  • Experten raten zu einer Thermografie, wenn eine größere Sanierung geplant ist.
Sebastian Hoff
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Hannover. Die Bilder hat jeder schon einmal gesehen: Wenn die Häuser bunt sind und die Umgebung fast schwarz, handelt es sich um Aufnahmen mit einer Thermografiekamera. „Damit können Energieverluste sichtbar gemacht werden“, sagt Florian Lörincz, Energieberater der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Wie Thermografie funktioniert und was sie leistet, zeigt der Überblick.

Was ist eine Thermografiekamera?

In dem Verfahren werden mit speziellen Kameras Wärmebilder von Oberflächen aufgenommen. „Jedes einzelne Pixel ist eine Temperaturmessung“, erklärt Lörincz. Warme Stellen erscheinen in der Regel gelb, orange und rot, kühle hingegen blau und grün. Die Bilder nennt man Thermogramme.

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Wann wird zu einer Thermografie geraten?

„Immer dann, wenn eine größere Sanierung geplant ist“, sagt Christine Heidmann, Redaktionsleiterin des Beraterportals energie-fachberater.de. Außerdem sollte sie angewendet werden, wenn Verdachtsmomente vorliegen, also etwa die Heizkostenrechnung sehr hoch ist. Das Verfahren ist auch geeignet, um Schäden an Solaranlagen, Flachdächern oder an der Dämmung zu finden, Wärmebrücken aufzuspüren, Leitungen in Wänden zu orten sowie Schornsteine zu prüfen, zählt Jens Hakenes, Redaktionsleiter von co2online auf.

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Was muss bei einer Thermografie beachtet werden?

Aussagekräftige Messungen können nur durchgeführt werden, wenn die Differenz zwischen Innen- und Außentemperatur mindestens zehn Grad Celsius beträgt. Das Gebäude muss außerdem einige Tage beheizt worden sein. „Die Messung darf nicht durch Umwelteinflüsse wie Wind, Regen, Schnee, Nebel oder Ähnliches beeinträchtigt werden“, erklärt Benjamin Standecker vom Bundesverband für Angewandte Thermographie (VATH) e. V.

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Wie wird eine Thermografie durchgeführt?

Messungen sollten immer außen und innen vorgenommen werden, betont Lörincz. Denn viele Schwachstellen werden nur durch Aufnahmen im Haus sichtbar. Dort erscheinen problematische Stellen blau-grün, also vergleichsweise kühl, weil keine Wärme gespeichert wird. Außen seien hingegen rot-orange-gelbe Flächen (warm) kritisch zu bewerten, so der Energieberater. Denn dann gehe zu viel Wärme verloren. Messungen sollten nur von Fachleuten und mit professionellen Geräten durchgeführt werden, ergänzt Standecker. „Infrage kommen dafür vor allem unabhängige Energieberater“, so Hakenes.

Welche Faktoren können zu falschen Ergebnissen führen?

„Fehler treten leider sehr häufig auf“, sagt Hakenes. Das sei zum Beispiel der Fall, wenn Aufnahmen von einer Wand gemacht wurden, die zuvor von der Sonne beschienen wurde. Sie strahlt dann Wärme ab und erscheint trotz guter Dämmung im Bild gelb, orange oder rot.

Was erfolgt im Anschluss an die Aufnahmen? In der Regel werde ein ausführliches Gutachten verfasst, erklärt Heidmann. Das Gutachten sollte unter anderem die Angaben zum Gebäude enthalten, die äußeren Bedingungen zum Zeitpunkt der Messung beschreiben und eine Handlungsempfehlung geben.

Was kostet eine Thermografie?

„Unter 500 Euro ist eine seriöse Thermografie nicht zu haben“, meint Lörincz. Hakenes beziffert die Kosten bei einem Einfamilienhaus mit 200 bis 1500 Euro – je nach Anwendungsfall und Anzahl der Bilder.

RND/dpa