DIY nach Anleitungen: Das taugen Hausarbeitentutorials

  • Im Internet finden sich viele Anleitungen für Heimwerker, doch nicht alle stammen wirklich von Profis.
  • Wer sein Zuhause selbst reparieren oder verschönern möchte, sollte zudem darauf achten, dass er sich nicht mit der Aufgabe übernimmt.
  • Im Zweifelsfall sollte man lieber professionelle Handwerker ranlassen.
Sebastian Hoff
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„Der Maler“ ist in seinem Element. In voller Arbeitsmontur steht er vor der Kamera und plaudert locker drauf los: In einem Wohnzimmer will er eine Vliestapete anbringen. Zuerst zeigt er die benötigten Materialien und Werkzeuge, dann erläutert er Schritt für Schritt die einzelnen Arbeiten – bis die Wand wie neu wirkt. Gut 500.000 Menschen haben sich das Tutorial bereits angeschaut und womöglich danach gearbeitet.

Nur ein Beispiel von vielen. Das Internet ist voll von Anleitungen für Heimwerker. Doch was taugen sie? Helfen sie wirklich weiter?

Gute Anleitungen von schlechten unterscheiden

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„Man sollte mit einer gewissen Skepsis drangehen“, meint Michael Pommer, Trainer an der DIY Academy in Köln: „Es gibt viele Selbstdarsteller, die Unsinn erzählen. Viele sind nicht auf dem Laufenden und haben sich nicht weitergebildet.“ Er rät dazu, quer zu schauen, sich also verschiedene Anleitungen anzugucken, um gute von schlechten unterscheiden zu können.

Anleitungen von Laien können unsinnige Tipps enthalten, vor allem wenn sie in sozialen Medien veröffentlicht werden, sagt Christian Meyer, Redakteur der Zeitschrift „Selbst ist der Mann“: „Es gibt aber auch viele sinnvolle Tipps. Das muss im Einzelfall beurteilt werden.“ Bei Herstelleranleitungen hingegen könnten sich Heimwerker relativ sicher sein, dass sie wenig bis gar keine Fehler enthielten. Schließlich wollten die Firmen möglichst wenig Reklamationen erhalten, ergänzt Pommer. Für ihn sind Internetanleitungen unter anderem aus Kostengründen eine Alternative zum Handwerker.

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Manche Beiträge haben einen hohen Unterhaltungswert

Positiv bewertet der Heimwerkertrainer, dass viele Beiträge einen hohen Unterhaltungswert besitzen: „Das macht oft Spaß, sie anzuschauen.“ Außerdem seien Videos und Fotos meist sehr anschaulich. Die DIY Academy stellt deshalb selbst Erklärfilme ins Netz. Das trifft auch auf viele ausgebildete Handwerker zu. Matthias Bucksteeg, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Farbe Gestaltung Bautenschutz, sieht das mit gemischten Gefühlen: „Auf der einen Seite präsentiert sich der Handwerker dadurch als kompetent, hilfsbereit und partnerschaftlich. Auf der anderen Seite kann das den Eindruck erwecken, komplexe handwerkliche Arbeiten können per Tutorial einfach angelernt werden.“

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Er warnt grundsätzlich davor, dass Heimwerker gefährliche Arbeiten ausführen – etwa Elektroleitungen selbst zu verlegen oder ohne entsprechenden Arbeitsschutz auf Baugerüste und Dächer zu steigen. „Viele Handgriffe sehen im Video einfach aus, können aber verletzungsanfällig sein“, betont Bucksteeg. Andrea Wolter, Sprecherin der Handwerkskammer zu Leipzig, ergänzt: „In sicherheitsrelevanten Handwerken sollten die eigenen Fähigkeiten besonders genau eingeschätzt werden. Zudem gibt es Arbeiten, die per Gesetz nicht vom Laien ausgeführt werden dürfen.“

Es kommt auch auf den eigenen Qualitätsanspruch an

Was sich Heimwerker zutrauen können, hänge auch vom eigenen Qualitätsanspruch ab, so Wolter weiter: „Einfache Arbeiten, wie eine glatte Wand einfarbig zu streichen oder zu tapezieren, wird für den geschickten Heimwerker eine zu bewältigende Aufgabe sein. Dieser oder jener Tipp vom Fachmann wird das Ergebnis verbessern.“

Ein Qualitätskriterium sei es, wenn für die Arbeiten ausreichend Zeit veranschlagt werde, sagt Pommer. „Je konkreter sich eine Anleitung mit einem Thema befasst, desto besser“, ergänzt Meyer. Zu Beginn eines Tutorials sollte laut Bucksteeg immer auf benötigte Werkzeuge, Schutzkleidung, Material, Risiken und Grenzen hingewiesen werden. Verantwortungsbewusste Handwerker geben zudem rechtzeitig einen Hinweis darauf, für welche Arbeiten der Profi geholt werden sollte.

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Achtung vorm Können der Fachleute

Durch die Tutorials erkennen Hobbyhandwerker oftmals erst, wie komplex manche Arbeiten sind. „Anleitungen können so durchaus einen Beitrag dazu leisten, Achtung vor dem Können der Fachleute zu vermitteln“, sagt Wolter. Eine Konkurrenz für Handwerker stellen diese Anleitungen ihrer Ansicht nach nicht dar – im Gegenteil: Oft würden darüber sogar Aufträge generiert. Das kann auch der Fall sein, nachdem der Heimwerker mit seinem Projekt gescheitert ist. „Manchmal ist es billiger, gleich den Handwerker zu holen, als eine Baustelle so zu vermurksen, dass erst alles wieder zurück gebaut werden muss“, warnt Bucksteeg.

Einige ausgewählte Empfehlungen

Model und Handwerkerin – das geht durchaus zusammen: Die Heimwerker-Queen zeigt unterhaltsam, wie sie ein Bad renoviert. Frauenpower strahlt auch Lena aus, die im SAT.1 Frühstücksfernsehen Heimwerkeranleitungen präsentiert. ToolTown – Home of Heimwerken nennt sich eine Reihe von Tipps vor allem für einfache Reparaturen. Do it yourself heißt der Kanal von Heimwerker Rainer, in dem er auch schon mal eine Kellerwand trocken legt. Malermeister Andy gibt Profitipps fürs Streichen und Tapezieren. Auch die Internetseite „Selbst“ und viele Baumärkte zeigen professionell gemachte Anleitungen.

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