Das zweite Zuhause: Ferienimmobilien als Anlage

  • Immer mehr Deutsche kaufen sich Ferienhäuser.
  • Entweder zur Selbstnutzung oder aber um eine gute Rendite zu erzielen.
  • Experten raten, beim Kauf einer zweiten Immobilie unter anderem auf eine stabile Urlaubernachfrage in der Region zu achten.
Sebastian Hoff
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Hannover. Viele Menschen verlieben sich im Urlaub: Sie möchten immer wieder an ihren Ferienort zurückkehren, später vielleicht sogar dort leben. Das ist einer der Hauptgründe, warum Deutsche Ferienimmobilien erwerben. Daneben spielen vor allem finanzielle Faktoren eine Rolle. „Ähnlich wie bei anderen Wohnungen und Häusern gibt es auch hier diejenigen, die die Immobilie vorwiegend selbst nutzen möchten, und Kapitalanleger, die auf Mieteinnahmen spekulieren“, erklärt Hennig Ludwig, Spezialist für Baufinanzierung bei der Beraterfirma Dr. Klein.

Mit einer Ferienwohnung oder einem Ferienhaus lässt sich meist gutes Geld verdienen: „Die Nettorendite liegt in Deutschland im Schnitt bei gut 4 und im Ausland bei 3 Prozent“, sagt Aye Helsig, Vorstand des Deutschen Ferienhausverbandes. „In den vergangenen Jahren haben sich die Kaufmotive für den Erwerb einer Ferienimmobilie geändert. Heute werden Ferienimmobilien häufiger als Investment und zur Altersvorsorge gekauft, und die Bedeutung der Eigennutzung hat abgenommen.“ Das liege unter anderem daran, dass Ferienhäuser und Ferienwohnungen bei Reisenden beliebter werden und die Vermietung dank neuer Technologien und Onlineportale vereinfacht wird.

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Ferienimmobilien: Investment und Altersvorsorge

Laut einer Studie von FeWo-direkt aus dem Jahr 2014 besaßen bereits zu dem Zeitpunkt 800 000 der 40 Millionen deutschen Haushalte eine Ferienwohnung oder ein Ferienhaus. Eine aktuellere Studie zeigt, dass vor allem zwischen 2015 und 2018 besonders viele Ferienimmobilien erworben wurden – und zwar mehr als in all den Jahren vor 2009. Ein Grund für den Boom ist, dass viele Objekte im Wert steigen: Das war bei 52 Prozent aller Ferienwohnungen und -häuser der Fall. Vor allem sei die hohe Nachfrage aber auf das günstige Zinsniveau bei Finanzierungen zurückzuführen, erläutert Helsig: „Immobilien sind eine vergleichsweise sichere Geldanlage und längst kein Luxushobby mehr für Superreiche.“ Der durchschnittliche Kaufpreis beträgt laut Studie 204 000 Euro. Im Ausland ist der Preis mit rund 250 000 Euro im Schnitt deutlich höher als im Inland (172 000 Euro), weil Objekte in anderen Ländern meist größer sind.

Aus Rendite-Gesichtspunkten ist die 1-A-Lage nicht immer die beste Wahl.

Aye Helsig, Vorstand des Deutschen Ferienhausverbandes.

Expertentipp: Nutzungsoptionen der Immobilie beachten

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Die meisten Immobilien, nämlich rund 60 Prozent, werden in Deutschland erworben. Besonders gefragt sind die Küsten an Ost- und Nordsee sowie die Alpenregion. Im europäischen Ausland werden vor allem in Spanien (9 Prozent) und Österreich (6 Prozent) Objekte gekauft. Die Lage ist im In- und Ausland ein wichtiger Faktor. Das gilt vor allem für Ferienimmobilien, die oft selbst genutzt werden. Kapitalanleger sollten jedoch auf eine gute Mischung aus Kaufpreis und Auslastung achten, rät Helsig: „Aus Rendite-Gesichtspunkten ist die 1-A-Lage nicht immer die beste Wahl.“ An Topstandorten etwa auf Sylt oder am Tegernsee liegen die Kaufpreise bereits auf einem Niveau, das mit Spitzenpreisen in deutschen Metropolen vergleichbar ist. Aber nicht immer kann eine entsprechende Miete erzielt werden. Wer eine Ferienimmobilie erwirbt, sollte viele weitere Aspekte berücksichtigen: Unbedingt zu klären ist, wie das Objekt genutzt werden kann. „Es gibt Immobilien, die in Erholungsgebieten liegen und ausschließlich als Ferienimmobilie genutzt werden dürfen. Ein fester Wohnsitz ist dort nicht möglich, und als Altersruhesitz fallen sie daher aus“, erklärt Ludwig. Mancherorts wiederum kann ein Zweckentfremdungsgebot eine Vermietung untersagen. Das ist zum Beispiel in Berlin der Fall.

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Genaue Analyse des Vermietungspotenzials

Genau analysiert werden sollte zudem das Vermietungspotenzial, betont Helsig: „Man sollte sich über den Markt informieren und auf keinen Fall blind kaufen.“ Im Inland werden Ferienimmobilien besonders häufig bis zu 24 Wochen im Jahr vermietet, im Ausland hingegen nur bis zu acht Wochen. Laut Immobilienverband Deutschland (IVD) übersteigen in Deutschland ab 120 Tagen Vermietung die Einnahmen die Kosten. Wer die Wohnung oder das Haus selbst nutzen möchte, sollte deshalb möglichst nicht zu den Ferienzeiten verreisen. Immerhin 52 Prozent der Inhaber nutzen die Ferienimmobilie selbst. Das trifft vor allem auf Objekte im Ausland zu. Allgemein vorteilhaft sind eine leichte Erreichbarkeit, eine gute Infrastruktur vor Ort und eine Standardausstattung mit Einbauküche, WLAN und Zentralheizung. Zusätzlich punkten können Vermieter mit Pool und Sauna.