Regelmäßige Kontrolle und Schutzmaßnahmen: Was tun, damit es nicht brennt?

  • Beim Planen und Bauen müssen Brand­schutz­bestimmungen beachtet werden.
  • In der Pflicht stehen dabei sowohl Bauherren als auch Eigentümer.
  • Wie man sich und sein Haus vor Bränden schützen kann, erfahren Sie hier.
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Feuer zerstört in Deutsch­land noch immer etliche Häuser. Infolge von Wohnungs­bränden sterben hier­zu­lande jährlich mehrere Hundert Menschen, außerdem gibt es Tausende Verletzte. Die Schadens­­höhe geht in die Milliarden. Um Feuer­ausbrüche möglichst schon im Keim zu ersticken und das Über­greifen von Flammen auf andere Gebäude zu vermeiden, wurden weitreichende gesetzliche Bestimmungen erlassen. Sie wirken sich auf das Bauen aus und nehmen Bau­herrinnen und Bau­herren sowie Eigen­tümerinnen und Eigen­tümer in die Pflicht. Ein Überblick.

Wo ist der Brandschutz gesetzlich geregelt?

Die Anforderungen an den baulichen Brandschutz sind in den Landes­bau­ordnungen definiert. „Die groben, wichtigen Vorgaben sind meist identisch”, sagt Holger Freitag, Vertrauens­anwalt des Verbands Privater Bauherren (VPB). Bei größeren Mehr­familien­häusern könnten sie allerdings von Bundes­land zu Bundes­land deutlich voneinander abweichen, ergänzt Lars Inderthal, Fach­gebiets­verantwort­licher Brandschutz bei der Dekra.

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Zugrunde gelegt werden verschiedene Gebäude­klassen. Die meisten Wohn­gebäude sind niedrigen Gebäude­klassen zugeordnet, für sie gelten vergleichs­weise geringe Anforderungen. Für Hoch­häuser und Gebäude mit besonderen Nutzungen wie Kaufhäuser müssen hingegen aufwendige Schutz­maßnahmen ergriffen werden, für die in der Regel hohe Kosten anfallen.

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Wie wirken sich die Bestimmungen aufs Bauen aus?

Die Brand­schutz­bestimmungen haben unter anderem Einfluss auf den Standort des Gebäudes, auf die Verwendung von Bau­materialien, auf die Einrichtung von Flucht­wegen und sogar die Innen­räume, erläutert Freitag. Die baulichen Anforderungen an typische Ein- oder Zwei­familien­häuser seien allerdings sehr gering, sagt Inderthal. Vor allem müsse eine zweite Flucht­möglich­keit bedacht werden. Dafür genüge in der Regel ein ausreichend großes Fenster in maximal sieben Metern Höhe. Da Feuer­wehr­leitern höchstens 23 Meter lang sind, benötigen Gebäude ab einer Höhe von 22 Metern einen zweiten baulichen Rettungs­weg, etwa eine außen liegende Treppe.

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Werden Häuser aneinander­gebaut, ist dazwischen eine sogenannte Brand­wand zwingend erforderlich. Vorgeschrieben sind außerdem Rauch­warn­melder in Kinder­zimmern, Schlaf­zimmern und Fluren. In allen Häusern der Gebäude­klassen zwei und drei müssen die tragenden Bau­teile zumindest feuer­hemmend sein, sodass die Trag­fähig­keit des Gebäudes mindestens 30 Minuten lang erhalten bleibt. Holz­konstruktionen sind dafür durchaus geeignet. Für Keller gelten besondere Vor­schriften.

Je größer das Gebäude und je komplexer die Nutzung, desto größer sind in der Regel die Anforderungen an den Brand­schutz. Dann können zum Beispiel Rauch­abzugs­anlagen oder Materialien gefordert sein, die nicht brennbar sind. Oft werde allerdings übers Ziel hinaus­geschossen, sagt Inderthal: „Je größer die Bau­maßname und je weniger die Planer von der Materie verstehen, desto größer die Wahr­schein­lich­keit, dass zu viel Brandschutz betrieben wird.“

Wer ist für die Einhaltung der Bestimmungen verantwortlich?

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Grundsätzlich der Bauherr, sagt Freitag. Auch andere am Bau beteiligte Personen wie Architekt, Bauunternehmen oder Bauleiter tragen Verantwortung. „Die einzuhaltenden Brand­schutz­anforderungen werden im Bau­antrag beschrieben”, erklärt Inderthal. In der Regel würden die Bauherren mit dem Thema nicht konfrontiert.

Wie wird der Brandschutz kontrolliert?

„Der sogenannte Brand­schutznachweis – oder bei komplexeren Gebäuden das Brand­schutz­konzept – wird von der Bau­aufsichts­behörde und gegebenenfalls von der Feuerwehr geprüft und genehmigt“, so Inderthal. Bei Ein- und Zwei­familien­häusern werde allerdings in der Regel keine Prüfung vorgenommen, bedauert Freitag. Wer das wünsche, müsse einen kosten­­pflichtigen Antrag stellen. Er rät privaten Bau­herren dazu, den Brand­schutz von einem unabhängigen Sach­verständigen prüfen zu lassen: „Denn oft wird nicht so gebaut, wie es ursprünglich geplant war.“ Problematisch können etwa falsch verlegte Elektro­installationen sein.

Welche Pflichten haben Eigentümerinnen und Eigentümer?

In der Regel reicht es aus, Rauch­warn­melder zu installieren. Diese müssen regelmäßig überprüft werden. Neuere Modelle verfügten immer über einen Prüf­knopf, erläutert Inderthal. Außerdem halte die Batterie mindestens zehn Jahre. Feuer­löscher sind in Ein­familien­häusern nicht vorgeschrieben. Der Bundes­verband Brand­schutz-Fach­betriebe (BVBF) rät allerdings dazu, dass in jedem Haus­halt mindestens ein Feuer­löscher vorhanden ist – gut sichtbar und griffbreit. In mehr­geschossigen Wohn­häusern sollte im Treppen­flur auf jeder Etage ein Feuer­löscher stehen. Inderthal empfiehlt ein Feuer­lösch­spray, das zum Beispiel in der Küche sofort zur Hand ist.

Tipps im Umgang mit Bränden

Viele Brände gehen auf schadhafte Elektro­geräte zurück. Sie sollten deshalb grundsätzlich vom Strom­netz genommen werden, wenn sie nicht benutzt werden. Mehr­fach­steck­dosen dürfen nicht überlastet werden. Fängt ein Gerät an zu kokeln, sollte sofort der Stecker gezogen und das Gerät ins Freie gebracht werden. Fett gerät beim Kochen häufig in Brand. Das Feuer sollte auf keinen Fall mit Wasser gelöscht, sondern möglichst erstickt werden – zum Beispiel mit einem Deckel. Kann ein Entstehungs­brand nicht schnell kontrolliert oder mit einem Feuer­löscher gelöscht werden, sollte unverzüg­lich die Feuer­wehr alarmiert und die Wohnung verlassen werden.

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