Bienensterben: So gestalten Sie Ihren Garten bienenfreundlich

  • Bienen und ihre geflügelten Kollegen haben es heutzutage nicht so leicht.
  • Jeder kann aber helfen und ihnen Nahrung bieten. In der Stadt oder auf dem Land – Balkon oder Garten.
  • Welche Pflanzen bei Bienen gut ankommen und wie Sie einen bienenfreundlichen Garten gestalten.
Julia-Marie Meisenburg
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Sie gelten als gesellig, fleißig, perfekt organisiert und produzieren leckere Nahrung: Honigbienen. Wohl kaum ein anderes Insekt hat ein so gutes Image, fasziniert als Sympathieträger und Nutztier seit Jahrhunderten. Mehr als 80 Prozent der heimischen Pflanzen müssen von ihnen bestäubt werden, um sich zu erhalten und erneuern zu können. Und doch ist der Lebensraum der emsigen Nützlinge und ihrer “wilden Kolleginnen”, der Wildbienen, zunehmend bedroht.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Es fehlt ihnen an Nahrung, zudem machen ihnen Parasiten, Bienenkrankheiten und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln das Leben schwer. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Denn Hobbygärtner und Balkonbesitzer können einen enormen Beitrag dazu leisten, dass die Insekten ausreichend Pollen, Nektar und einen geeigneten Lebensraum finden. Garten- und Landschaftsarchitektin Simone Kern, die mit ihrem Ratgeber “Mein Garten summt – ein Platz für Bienen, Schmetterlinge und Hummeln” 2017 den Deutschen Gartenbuchpreis gewonnen hat, gibt Tipps, wie die private Freifläche bienenfreundlich gestaltet wird.

Bienenfreundlicher Garten mit vielfältigem Pflanzenangebot

“Bienen und Hummeln brauchen Pollen und Nektar – und zwar das ganze Jahr über”, erklärt die Expertin, die sich auf die naturnahe Planung und Gestaltung von kommunalen Freiflächen, Schulgeländen und Privatgärten spezialisiert hat. Für die Pflanzenwahl im Garten und auf dem Balkon sollten heimische nektar- oder pollenreiche Pflanzen berücksichtigt werden. Das sind zum Beispiel:

Krokusse Akelei Salbei
Winterlinge Astern Lauch
Fetthenne Heilziest Weiden
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Kern: “Sie bieten vor allem Wildbienenarten Nahrung. Idealerweise sollte die Pflanzenzusammenstellung so sein, dass vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst hinein ein Nahrungsangebot vorhanden ist. Absolute Bienenmagneten sind auch Kräuter wie Rosmarin, Thymian, Lavendel und Borretsch, die problemlos auf dem sonnigen Balkon oder auf der Fensterbank im Topf gezogen werden können.” Verzichten sollten Bienenfreunde stattdessen auf beliebte Klassiker wie Geranien oder Forsythien. “Die sehen vielleicht schön aus, sind ökologisch jedoch völlig wertlos.” Überhaupt seien bei vielen unserer üppigen und herrlich duftenden Zierpflanzen die Blütenblätter züchterisch vermehrt. Landschaftsarchitektin Kern: “Dabei spricht man von gefüllten Blüten. Entweder haben diese gar keine Staubbeutel mehr, oder sie sind so dicht, dass sie den Tieren den Zugang zur Nahrungsquelle verwehren.”

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Lavendel hat einen betörenden Geruch und verleiht jedem Garten ein mediterranes Flair.  @ Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
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Der Nabu rät ergänzend noch zu folgenden bienenfreundlichen Gewächsen:

  • Blumenbeet: Schafgarbe, Lupine, Wilde Malve, ungefüllte Dahliensorten
  • Bäume und Sträucher: Schlehe, Pfaffenhütchen, Kornelkirsche, Weißdorn, Stachelbeere, Himbeere, Brombeere, Johannisbeere, Wilder Wein, Efeu, ungefüllte Kletterrosen
  • Gemüsebeet: Ackerbohnen, Kleearten, Ringelblumen, Kürbisgewächse, Zwiebeln, Kohl, Möhren
  • Balkon: Goldlack, Kapuzinerkresse, Verbene, Männertreu, Wandelröschen, Löwenmäulchen, Pfefferminze (und andere Küchenkräuter)

Paradies für Bienen: Teil des Gartens naturnah gestalten

Gartenbesitzer können neben dem Kauf passender Pflanzen noch mehr für die wichtigen Nützlinge tun. Eine Wildstrauchhecke, beispielsweise aus Kornelkirsche oder Weiden, bietet Schutz und Nahrung. Und natürlich schaffen auch Apfel-, Birnen- oder Kirschbäume eine reich gedeckte “Bienentafel” im privaten Paradies.

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Wer über eine nicht ganz ordentliche, naturnahe Ecke im Garten hinwegsehen kann, lässt einen Teil des Grundstücks verwildern, sorgt beispielsweise mit einem Stapel Totholz im Schatten für Unterschlupf. Auch eine Wildblumenwiese oder Trockenmauern seien ideal. Anstatt aus Beton und Asphalt sollten Gartenwege aus Kies oder Sand gestaltet werden.

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Bienen – warum sind sie so wichtig?
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Der Lebensraum der Insekten ist bedroht, sie finden kaum Nahrung. Hobbygärtner können aber helfen, indem sie ihren Garten bienenfreundlich gestalten.  © Julia-Marie Meisenburg, Vanessa Casper/RND

Kern: “Weil in den Hohlräumen der Stängel zahlreiche Larven von Wildbienen überwintern, sollten Gärtner darauf verzichten, im Herbst alle Pflanzen herunterzuschneiden. Bei vielen Stauden ist das nicht notwendig und kann problemlos Ende Februar nachgeholt werden.”

Wer den Nützlingen ein geeignetes Quartier schaffen will, baut ihnen ein „Insektenhotel“. © Quelle: Markus Winkler/Unsplash
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Bei uns bekommen Sie alle Infos, die Sie zum Bau eines Insektenhotels brauchen. Weitere Anleitungen für ein Insektenhotel finden sich im Internet beispielsweise auf den Seiten des Naturschutzbund Deutschland e. V. oder unter bienenretter.de.

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So unterscheiden sich Wespen und Bienen voneinander
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Hier kann man alle Unklarheiten zwischen den beiden Insektenarten erfahren.  © Julia-Marie Meisenburg, Vanessa Casper

Bienensterben: Pestizide schaden Nützlingen

Aus dem Schuppen verbannen sollten Naturfreunde zwingend auch Pflanzenschutzmittel und Insektizide. Kern: “Ihr Einsatz – sowohl in der Landwirtschaft, aber auch im Privatgarten – hat mit zum weltweiten Bienensterben beigetragen. Viele Menschen wissen beispielsweise noch immer nicht, dass Mittel wie Glyphosat die Gehirnprozesse der Tiere stören und ihre Kommunikation, Navigation und Pollensammelfähigkeit einschränken. Sie verlieren die Orientierung, finden schlimmstenfalls nicht zurück in den Bienenstock und verenden.”

Wen Unkraut im Beet wirklich stört, sollte stattdessen zu ökologisch unbedenklichen Mitteln wie Brennnesseljauche greifen oder klassisch per Hand jäten. Und noch einen Tipp gibt die Garten- und Landschaftsarchitektin: “Auch Bienen haben Durst. Um ihnen zu helfen, kann man im Garten oder auf dem Balkon eine Vogeltränke aufstellen, in die einige flache, herausragende Steine gelegt werden. So können sie leichter an das Wasser kommen, laufen nicht Gefahr zu ertrinken.”

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