Erstes Mehrfamilienhaus aus dem Drucker: Bautechnologie schreitet in Deutschland voran

  • Das 3-D-Druckverfahren gilt in der Baubranche als zukunftsweisende Technologie.
  • In Bayern entsteht nun das bundesweit erste Mehrfamilienhaus dieser Art.
  • Mit einer Druckzeit von fünf Minuten pro Quadratmeter soll der Bau des knapp 400-Quadratmeter-Hauses in nur sechs Wochen abgeschlossen sein.
Michèle Förster
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In Rekordzeit und aus dem Drucker – sieht so der Hausbau der Zukunft aus? In mehreren Ländern – wie den USA, Mexiko, Russland oder Belgien – sind bereits Gebäude aus dem 3-D-Drucker entstanden. Auch in Deutschland ist der 3-D-Druck mittlerweile auf dem Vormarsch. Im bayerischen Wallenhausen entsteht derzeit das nach Angaben des Bauzulieferers Peri bundesweit erste Mehrfamilienhaus aus dem 3-D-Drucker. Mit rund 380 Quadratmetern Wohnfläche soll es zudem das größte gedruckte Wohnhaus Europas werden.

„Mit dem Druck des ersten Mehrfamilienhauses in Deutschland treten wir den Beweis an, dass diese neue Bautechnologie auch für den Druck größerer Wohneinheiten geeignet ist“, sagte Geschäftsführer Thomas Imbacher in einer Mitteilung. „Damit eröffnen wir dem 3-D-Betondruck weitere Anwendungsbereiche in neuen Größenordnungen.“

In sechs Wochen zum fertigen Haus

Das Haus soll über fünf Wohnungen und ein zusätzliches Kellergeschoss verfügen. Insgesamt sind für das Projekt sechs Wochen Druckzeit veranschlagt. Ein Spezialdrucker mit beweglichem Druckkopf setzt Schicht für Schicht des Betons übereinander. So entsteht ein Quadratmeter des dreigeschossigen Mehrfamilienhauses in etwa fünf Minuten. Während des Druckvorganges kann der Drucker bereits die später zu verlegenden Leitungen und Anschlüsse für Wasser und Strom berücksichtigen und entsprechende Stellen aussparen. Dadurch können Arbeiten wie das Verlegen von Rohren und Anschlüssen zur gleichen Zeit stattfinden.

Für einen Quadratmeter doppelschalige Wand benötigt der 3-D-Betondrucker rund fünf Minuten. © Quelle: PERI GmbH

Auch die Technische Universität (TU) in Dresden entwickelt seit 2014 ein Beton-3-D-Druckverfahren, das künftig auf Baustellen eingesetzt werden kann. „Um Bauwerke autonom mittels Beton-3-D-Druck herstellen zu können, müssen die anspruchsvollen Randbedingungen der Bauprozesse inhaltlich und maschinell beherrscht werden“, erklären die TU-Forscher. Die Baumaschine müsse dafür insbesondere über ein spezielles Datenmanagement verfügen.

Als Vorreiter dieser Technologie gilt das amerikanische Start-up Icon, das kleine, eingeschossige Häuser für erschwingliche 6000 Dollar produziert. In Deutschland begann Ende September der Bau des bundesweit ersten Einfamilienhauses mittels 3-D-Druckverfahren. Dieser wurde vom Landesbauministerium mit 200.000 Euro gefördert, um die neuartige Bautechnik in der Praxis anzuwenden. „Von dem Pilotprojekt in Beckum werden Ergebnisse und Erfahrungen erwartet, die beispielgebend für die gesamte Baubranche sein dürften“, berichtete das Bauministerium Nordrhein-Westfalen damals.

Mit dpa

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