Apfelernte im Herbst: Ab in die Saftpresse

  • Wer den ein oder anderen Apfelbaum im Garten besitzt, kennt es schon.
  • Wenn die Zeit zum Ernten gekommen ist, weiß man schnell nicht mehr, wohin mit der Apfelflut.
  • Das Patentrezept für starke Jahrgänge: nichts wie hin zur mobilen Saftpresse.
Anja Klein
|
Anzeige
Anzeige

Mitten in unserem Schrebergarten steht ein wunderschöner, ziemlich großer Apfelbaum. Auf den Stamm sind zwei verschiedene Apfelsorten mit unterschiedlichen Reifezeiten aufgepfropft. Die eine reift bereits Ende August und schmeckt grandios. Aber so viele Apfelkuchen kann man gar nicht backen, und auch in Form von Apfelmus würde allein diese Sorte in guten Jahren mehrere Badewannen füllen. Die andere Sorte reift im September oder Oktober, und die Äste biegen sich stark unter der schweren Last.

Lesen Sie: Apfelsaison 2020: Alles rund um das Lieblingsobst der Deutschen

Nach dem Pasteurisieren hält sich der Saft zwei Jahre

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Alle zwei Jahre trägt der Baum richtig gut, im darauf folgenden macht er eine Pause. Daran konnte auch ein professioneller Obstbaumschnitt bislang nichts ändern. Dieses Jahr war es wieder so weit. Man konnte vor lauter Äpfeln den Baum nicht mehr sehen. An einem Wochenende haben wir etwa die Hälfte der Äpfel geerntet, und dank der ausdauernden Helfer kam der Birnbaum auch gleich dran. Mit 150 Kilogramm Obst im Auto sind wir dann zur mobilen Saftpresse gefahren und Stunden später mit 90 Litern Saft im Gepäck wieder zurück. Trinken kann man den leider nicht sofort, weil der Saft beim Pasteurisieren stark erhitzt wird und zunächst stundenlang heiß bleibt. Dafür hält er sich dann auch zwei Jahre lang und bleibt – dank Zapfsystem – selbst geöffnet noch einen Monat frisch.

Lesen Sie auch: Vormerken: Leimringe ab Ende September um Obstbäume geben

Am späten Abend gab es endlich ein Gläschen vom eigenen Saft. Reichlich Eiswürfel im Glas brachten die gewünschte Trinktemperatur und ein gewisses Aperitifgefühl. Die Kombination von Äpfeln und Birnen hat sich definitiv bewährt: Beide Aromen ergänzen sich perfekt. Ein echter Volltreffer!

Überblick über mobile Saftpressen

Anzeige

Im Herbst sind von September an überall mobile Saftpressen im Einsatz. Termine und Standorte findet man im Netz unter dem Stichwort „Mobile Saftpresse“. Der Naturschutzbund bietet zudem auf seiner Internetseite einen bundesweiten Überblick zu Mostereien an.

Die mobile Mosterei: Am entspanntesten kommt man durch mobile Mostereien an Saft aus dem eigenem Obst. Bundesweit gibt es etliche Anbieter, mit denen man bequem einen Termin verabreden kann. Das Angebot lohnt sich vor allem, wenn sich Nachbarn und Freunde beteiligen. Aus 100 Kilogramm Äpfeln lassen sich bis zu 75 Liter Saft herstellen. Für die Prozedur wird in der Regel ein Starkstrom- und ein Trinkwasseranschluss benötigt sowie ein Abfluss. Mobile Mostereien, zum Beispiel der „Most-Express“ in Niedersachsen, bieten auch öffentliche Termine, bei denen das Obst ohne Voranmeldung verarbeitet wird.

Anzeige

Aus eigener Produktion: Natürlich kann Apfelsaft auch am eigenen Herd hergestellt werden – wenn auch nicht in Riesenmengen. Besondere Anschaffungen wie ein Entsafter oder eine Obstpresse sind dafür nicht notwendig: Ein Sieb, zwei Töpfe, ein Messer, ein Kochlöffel, ein Schöpflöffel, ein sauberes Leintuch und gesäuberte Flaschen zum Abfüllen genügen als Ausstattung. Für einen Liter Apfelsaft werden 2 Kilogramm Äpfel, 1 Liter Wasser, Zitronensaft und Zucker (oder Honig), sowie eine halbe Packung Einmachhilfe benötigt. Die Äpfel werden in mittelgroße Stücke geschnitten und bei mittlerer Hitze 20 Minuten lang gekocht. Die nun weiche Apfelmasse wird gesiebt und mit dem Tuch ausgewrungen, wobei der Saft im Topf aufgefangen wird. Dann wird der Saft mit Zucker und Zitronensaft abgeschmeckt und weitere 15 bis 20 Minuten gekocht. Mit dem Schöpflöffel wird der Schaum an der Oberfläche entfernt. Zum Schluss kommt die Einmachhilfe in den Saft, die gut eingerührt werden sollte. In Flaschen abgefüllt und im Keller gelagert, hält sich dieser Saft ungefähr ein Jahr.

So funktioniert das Mosten

Zuerst werden die Äpfel in einer automatischen Waschanlage kräftig gereinigt. Trotzdem sollte man darauf achten, nur sauberes Obst und keine faulen Früchte abzugeben. Je besser das Ausgangsprodukt, desto höherwertiger der Saft. Eine Mischung von verschiedenen Apfelsorten, gerne mit der Beigabe von Birnen, sorgt für einen besonders aromatischen Saft. Nach dem Waschen wird das Obst in einer Rätzmühle zerkleinert und landet als Maische auf der Packpresse. Der aus dem Brei gepresste Saft fließt direkt in den Pasteurisator.Hier wird der Saft schonend auf etwa 80° Celsius erhitzt und anschließend heiß abgefüllt. So wird der Saft ganz ohne Zusätze haltbar gemacht.

Kaum Lagerplatz, wenig Abfall

Anschließend wird der heiße Saft in Kunststoffschläuche mit Zapfhahn abgefüllt. Die gibt es in Varianten für fünf oder zehn Liter. Die Schläuche werden in einen Karton verpackt. Das Bag-in-Box System bietet viele Vorteile. Ungeöffnet hält der Saft etwa zwei Jahre, einmal angebrochen ist der Saft immer noch ein bis zwei Monate haltbar, da keine Luft in den Plastikschlauch eindringen kann. Zum Lagern wird nicht viel Platz benötigt, und es entsteht kaum Abfall, denn der Karton kann im nächsten Jahr wiederverwendet werden.

Auch interessant: Quittenbäume im Garten: Die heilige Frucht der Aphrodite

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen