Ameisen – lästige Insekten oder nützliche Helfer?

  • Im Sommer beim Picknick oder der Gartenarbeit sind sie kaum zu übersehen: die Ameisen.
  • Nervig wird es, wenn sie in die Wohnung kommen. Doch das kann man mit einigen Tricks vermeiden.
  • Schwierig wird es hingegen bei den invasiven Arten, die vor allem in Südwestdeutschland zum Problem werden, verrät ein Experte.
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Kaum sind Salate, belegte Brote oder Obst beim Grillen im Garten ausgepackt, sind die kleinen Insekten schon da – Fliegen, Wespen und Ameisen tummeln sich um den Tisch. Und besonders die Ameisen sind schnell bei der Sache, kommen zu Hunderten und tragen alles Essbare, was sie finden können, ins Nest.

Ameisen gelten als „Gesundheitspolizei“, sorgen dafür, dass sich Keime und Krankheitserreger nicht ausbreiten, durchlüften den Boden und verbreiten Pflanzensamen. Außerdem sind Ameisen für viele andere Tiere Futter. Im Garten stellen sie für gewöhnlich keine Gefahr dar, zumindest nicht für die Pflanzen. In ihren Nestern leben bis zu einer halben Millionen Ameisen, manchmal sogar mehr.

116 verschiedene Ameisenarten in Deutschland

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Laut Internetseite des Rote-Liste-Zentrums, das die Listen der gefährdeten Tierarten koordiniert, gibt es in Deutschland 116 verschiedene Ameisenarten. Die meisten von ihnen fühlen sich auf Feldern oder in Wäldern wohl: „Die artenreichsten Lebensräume sind offene, stark wärmegetönte Rasenlandschaften, die extensiv bewirtschaftet werden“, sagt Dr. Bernhard Seifert. Er ist Ameisenforscher am Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz. Zu diesen Rasenlandschaften zählen Wiesen, auf denen alle fünf bis sechs Wochen eine Schafherde weidet. „Einige Ameisenarten fühlen sich im Holz wohl, also dort, wo viel Altholz und Totholz ist – in naturnahen Wäldern oder Streuobstwiesen“, so der Experte.

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In einem Ameisenstaat gibt es eine klare Aufgabenverteilung. Die Arbeiterinnen übernehmen fast alle Aufgaben, die anstehen – gehen auf Nahrungssuche, kümmern sich um den Nestbau, beschützen das Nest, versorgen die Brut und die Königin. Diese ist es, die sich um die Nachkommen kümmert. Außerdem sucht sie das neue Zuhause für ein Nest, erklärt Seifert.

Bei Trockenperioden vermehrt Ameisen in der Wohnung

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Das läuft ganz unterschiedlich, meint der Ameisenforscher: „Zum einen gibt es aktive Suchmechanismen – dann fliegt die Ameisenkönigin nach dem Hochzeitsflug los und sucht sich einen Platz, an dem sie ein Nest bauen kann, vielleicht ein Moor, eine Sanddüne oder eine Wiese.“ Es könne aber auch einfach Zufall sein, dass eine Ameisenkönigin ein neues Zuhause findet. Manche Ameisenarten hätten Millionen von Geschlechtstieren, die in die Luft geschickt werden. „Einige überleben, andere nicht.“ Und dann gibt es noch eine weitere Möglichkeit, einen neuen Lebensraum zu finden, sagt Seifert: „Die sozialparasitischen Ameisen benötigen auch andere Ameisenarten zur Koloniegründung, deren Nester dann gezielt aufgesucht werden.“

Ameisen haben ihre empfindlichen Sinneszellen zum Riechen auf den Fühlern. So riechen sie auch, dass es in der Wohnung Nahrung gibt. © Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dp

Besonders ärgerlich ist es, wenn Ameisen in die Wohnung kommen. Das passiert unter anderem, wenn es ein Nahrungsangebot in der Wohnung gibt. „Wenn wir extreme Trockenperioden haben und der Boden metertief ausgetrocknet ist, passiert es regelmäßig, dass einige Arten verstärkt in die Wohnung gehen und dort Nahrungsquellen nutzen“, so Seifert. Einige Ameisen würden in der Wohnung auch Nestanlageplätze finden - oft handelt es sich dabei um invasive Ameisenarten, die zum Problem geworden sind. Bei ihnen müsse man schon im Initialstadium handeln, um zu verhindern, dass sie sich weiter vermehren. Ob der Ameisenforscher diese Tiere in seinem Zuhause dulden würde, hänge von der Art ab. „Als Laie kann man diese aber selten bestimmen“, sagt er.

Das kann gegen Ameisen in der Wohnung helfen

Laut Umweltbundesamt ist Vorsorge die wirksamste Maßnahme gegen eine Einwanderung von Ameisen. Löcher und Risse im Mauerwerk, an Türen und Fenstern sollten demnach ausgebessert, Fugen und Spalten mit Silikon verschlossen werden. Außerdem rät das Umweltbundesamt, Vorräte gut zu verschließen und Essensreste nicht offen stehen zu lassen, damit das Anlocken der Tiere vermieden wird.

Gegenstände, die ins Haus geholt werden, beispielsweise Blumentöpfe oder Kaminholz, sollte vorher kontrolliert werden. Und wenn es doch ein paar Ameisen ins Haus geschafft haben, dann sollten sie aufgekehrt und ins Freie entlassen werden. Haben sich Ameisen beim „Hochzeitsflug“ ins Haus verirrt, wird empfohlen, das Fenster zu öffnen. Die Tiere bewegen sich dann auf Licht zu. Zudem hätten Ameisen feine Nasen, deswegen rät das Umweltbundesamt, Barrieren mit Kaffeesatz oder -pulver zu bauen. Auch stark duftende Kräuter wie Lavendel oder Gerüche von Zitronen, Zimt oder Essig vertreiben die Tiere, schreibt die Verbraucherzentrale Hamburg.

Invasive Arten werden in Deutschland zunehmend zu einem Problem

Schwierig wird es hingegen, wenn sich Ameisen bereits ein Nest im Gehölz des Hauses gebaut haben. Auch invasive Arten werden, so Ameisenforscher Seifert, zunehmend zum Problem. Invasive Arten sind laut Bundesamt für Naturschutz solche, die sich durch den Einfluss des Menschen in Regionen ausbreiten, in denen sie vorher nicht heimisch waren, sei es mittels Gepäck und Ware etwa an Bord von Schiffen oder durch den Tierhandel. Vor allem in Südwestdeutschland kommen die invasiven Ameisen seit einigen Jahren vermehrt vor. „Sie sind in der Regel superkolonial, sie haben also viele Königinnen, können sich schnell vermehren.“

Unter den Invasionsarmeisen gebe es winzig kleine, mit einer Kopfbreite von nur 0,4 Millimetern, die in feinste Rillen krabbeln können. Sie können Kurzschlüsse verursachen, wenn sie in den Laptop oder Telekommunikation kriechen. „Einige Kommunen in Südwestdeutschland sind durch weitere Einwirkungen der Invasionsameisen sehr belastet, das ist schon ein ernstes Problem.“

Bekämpfung der invasiven Ameisen ist nicht einfach

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Sie würden auch andere Ameisenarten vertreiben, denn sie seien hochgradig dominant. „Auch aufgrund ihrer numerischen Dominanz, aber auch wegen effizienterer Kriegführung“, erklärt Bernhard Seifert. Und die Bekämpfung der invasiven Arten ist in der Regel auch nicht so einfach, weil man die vielen Königinnen vergiften müsse. Ausrotten könne man sie also nicht, eingrenzen schon.

Und wie steht es sonst um die Ameisen in Deutschland – sind sie auch vom Insektensterben betroffen? „Es ist eine heterogene Situation“, sagt der Ameisenexperte. Einige Arten seien in Deutschland stark bedroht, beispielsweise solche, die an bestimmte Lebensräume wie nährstoffarmen Rasen gebunden sind. Wenn dieser Rasen durch Veränderungen in der Bewirtschaftung nicht mehr da ist, haben es diese Arten schwer, sagt er. „Auf der anderen Seite ist es so, dass durch die anthropogene Klimaerwärmung eine Reihe von Arten begünstigt werden. Baumarmeisen werden beispielsweise immer häufiger.“

Es gebe also Arten, die aussterben werden, aber die Situation sei nicht ganz so dramatisch wie bei anderen Insektengruppen oder Lurchen. „Das hat einen Grund“, erklärt Seifert. „Ameisen sind nahrungsökologisch wenig spezialisiert.“ Heißt: Sie sind nicht festgelegt auf eine bestimmte Nahrung. Pflanzenreste, Samen, andere lebende Insekten oder tote Insekten, aber auch Nahrung aus der Küche stehen auf dem Speiseplan einer Ameise. „Der Druck auf diese Tiere ist deswegen nicht so groß wie beispielsweise bei Schmetterlingen oder Wildbienen.“

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